Urheberrechtsreform der Piraten – Ideen und Irrtümer

Ich hatte heute Nachmittag die Zeit, mich nochmal intensiv mit dem Programm der Piratenpartei auseinanderzusetzen. Insbesondere das, was die Piraten zum Urheberrecht und der (nicht-)kommerziellen Vervielfältigung schreiben, ist interessant. Ich zitiere mal ein paar Passagen und kommentiere diese gleichzeitig.

Urheberrecht unentgeltlich abtreten?

„Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschränken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verständnis von so genanntem „geistigem Eigentum“ basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.“
Dazu fällt mir eine Frage ein: Was ist veraltet daran, wen man der Meinung ist, dass derjenige, der ein tatsächliches oder geistiges Werk erstellt, auch das Urheberrecht daran besitzen soll und das Werk nach seinem Gutdünken einsetzen kann – also es frei zugängig machen, es verkaufen oder sonstwas damit machen kann?

Keine Konkurrenz, keine Kreativität!

Und noch eine Frage: Wenn alles für alle immer frei nutzbar ist, entfällt eine wichtige Motivation für  geistigen Wettstreit. Die interessantesten und für die Menschheitsgeschichte wichtigsten Entdeckungen bzw. wissenschaftlichen Ideen sind nur entstanden, weil es (kommerziellen) Konkurrenzdruck gab. Ohne Konkurrenz keine Weiterentwicklung. Wer Patente und das Urheberrecht abschaffen will, schafft damit auch eine Triebfeder für geistige Weiterentwicklung ab.

Grundgesetzliche Schranken

„Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern…, verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.“

Nochmal: Die Güter werden ja nicht verknappt, sie können gegen einen Gegenwert erworben werden. Und Güter, die einem anderen gehören, sind nicht deshalb alleine Freiwild, an dem sich jeder nach Gutdünken und ohne Gegenleistung bedienen kann, weil sie irgendwo im Netz stehen oder via CD verfügbar sind und von jedermann, der jemanden kennt, der eine CD besitzt, für den eigenen Gebrauch kopiert werden können.

Ich glaube auch nicht, dass eine Partei, die eine Regierungsmehrheit im Parlament hätte, diesen Rechtsgrundsatz abschaffen könnte, denn er ist grundgesetzlich verankert. Das Grundgesetz sieht darüber hinaus vor, dass wesentlich Gleiches auch gleich zu behandeln ist. Eigentum geistiger und tatsächlicher – also körperlicher – Natur werden vor dem Gesetz gleich behandelt. Wenn die Piraten also geistige Werke freigeben würden, hätte das – im Sinne einer Gleichbehandlung – die Freigabe sämtlicher Werke und Güter zur Folge. Niemand müsste mehr irgendwelche Gegenleistungen erbringen, nicht beim Bäcker, nicht beim Metzger, im Supermarkt, in der Autowerkstatt, oder beim Arzt. Alles wäre frei verfügbar. Nun kann man ja an meinem Icon erkennen, dass ich Startrek nicht nahe stehe. In dieser zukünftigen Gesellschaft ist eine solche Abschaffung von monetären Gegenleistungen erreicht. Jeder kann das machen, studieren, lernen, arbeiten was er möchte, braucht zumindest zum Lebensunterhalt keinen Job. Alle wichtigen Güter können ohne Mitteleinsatz repliziert werden. Aber jeder Treki weiß, dass unsere Gesellschaft noch nicht soweit ist. Startrek ist eben Utopie. Unsere Realität sieht anders aus. Und genau deshalb würde im Rahmen einer Grundrechtsabwägung auch ein Eigentumsrecht für geistige Urheber nicht aufgehoben werden.

Wenn also der Urheber sein Recht am geistigen Eigentum behalten wird – und mittels einer BVerfG-Entscheidung könnte ein anderslautendes Gesetz für rechtswidrig erklärt werden – geht es nicht mehr um die Möglichkeit, Privatkopien entgeltlos zu ermöglichen. Bei diesen grundgesetzlichen Vorgaben gibt es höchstens noch die Möglichkeit, eine andere, neue Art der Abgeltung einzuführen, damit via Pauschale das geistige Urheberrecht abgegolten wird. Doch dazu später mehr.

Faires Entgelt für qualitative Arbeit

Besonders interessant finde ich auch folgend Aussage:

„Wir sind der Überzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte und die Interessen der Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert.“

Oha, nochmal anhand eines Beispiels: Ich bin Songwriter, schreibe tolle Songtexte, produziere davon eine CD, indem ich einen Musiker einkaufe, der zu den Texten passende Melodien entwickelt, dazu einen Sänger, kaufe weitere Musiker ein, die im Studio Schlagzeug, Bass, Harmonieinstrumente etc. übernehmen, miete ein Studio nebst Tontechnikern, beauftrage eine Agentur, die eine Werbekampagne entwirft und bringe die CD auf den Markt. Gesamtkosten bis hierhin je nach Qualität zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Sollte zu den Songs aus Gründen der besseren Vermarktung und der Steigerung der Popularität noch Videos hinzukommen, vervielfachen sich die Kosten. Dazu kommen dann noch die Kosten für die eigentliche Produktion von Cover und Rohlingen der CD. Die CD ist auf dem Markt – und jetzt nehmen wir mal an, Privatkopien wären wirklich für alle kostenfrei. Jeder könnte in die Bibliothek gehen und sich die CD ausleihen, kopieren und für den privaten Gebrauch nutzen, ohne sie zu kaufen. Fazit: Ich bleibe auf meinen Kosten sitzen.

Kostenlosigkeit verhindert Qualität

Also, welche Motivation hätte ich, sowas nochmal zu machen? Und vor allem: Woher sollte ich das dafür nötige Geld erhalten?  Einen Kredit von einer Bank bekommt man für solche Produktionen nicht mehr, weil denen auch klar wäre, was eine solche Freiheit zur Erstellung einer Privatkopie bedeutet. Fazit: Ich würde aufhören, Musik zu machen. Und so wie mir ginge es vielen – um nicht zu sagen – allen Künstlern. Und wer würde letztlich darunter leiden? Alle Konsumenten, auch diejenigen, die sich für die Freigabe der Privatkopie aussprechen. Also ein eher untaugliches Mittel, um allen Menschen einen ungetrübten Musikgenuss zu bieten. Die Folge wäre keine kulturelle Vielfalt, sondern kulturelle Armut. Auch für das Genre Literatur lässt sich Ähnliches beobachten.

„In der Tat existiert eine Vielzahl von innovativen Geschäftskonzepten, welche die freie Verfügbarkeit bewusst zu ihrem Vorteil nutzen und Urheber unabhängiger von bestehenden Marktstrukturen machen können.“

Auf der Seite der Piratenpartei finden sich viele Kommentare von Autoren und Künstlern, die damit ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Beeindruckend war für mich dabei auch der Kommentar von Pia Mayer-Gampe:

„Mein Vater … war Schriftsteller und hat von seiner Arbeit mit seiner Familie ein bescheidenes, manchmal angemessenes Auskommen gehabt. Zu seinem Werk gehören Romane, für die es inklusive Entwicklung der Idee, Recherche und Schreiben Jahre gebraucht hat. Das Ergebnis war, so sagt die Kritik, fulminant. Und dann soll das innerhalb von zwei Jahren Allgemeingut sein?“

In der Tat, eine Verkürzung der Urheberrechte auf einen Minimalzeitraum – wie von der PP gefordert – würde gerade bei solchen Werken, die Jahre gebraucht haben, um zu entstehen, den finanziellen Ruin der Schriftsteller nach sich ziehen. Schreiben könnte dann nur noch derjenige, der genug eigene finanzielle Mittel besitzt und nicht mehr derjenige, der das meiste Talent mitbringt. Die Folge: Kein Herr der Ringe, kein Startrek, kein Starwars – alles wäre nicht entwickelt worden. Lediglich Hary Potter – eines der wenigen Gegenbeispiele. Doch nochmal Pia Mayer-Gampe:

„Ich finde meine eigene Arbeit, für die ich sieben Jahre gebraucht habe, jetzt in Google Books fast vollständig reingestellt und kriege einen Hals. Vielleicht wäre ich ja, da es ein wissenschaftlicher Text ist, einverstanden gewesen, aber ich wurde nicht gefragt. Ich bin einfach der Depp … . Die Leute, die so ein Parteiprogramm entwickeln, scheinen keine Idee davon zu haben das anständige Texte Arbeit sind, und was sie für die Autoren bedeuten.“
Dem kann ich mich nur uneingeschränkt anschließen.

Fremdbestimmter Informationszugang ist ein hohes Risiko

Dagegen jetzt die Sprachregelung der PP:

„Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.“

Naja, eigentlich ist es ja genau andersherum: Ich hatte ja vorhin schon beschrieben, dass Konkurrenz den geistigen Wettbewerb beflügelt. Jetzt setze ich noch eines drauf: Wenn Wissen umfangreich allen zugänglich ist, ohne dass die Urheber einen Einfluss darauf haben, ob sie es weitergeben wollen oder nicht – dann kann schädliches Wissen auch nicht mehr zurückgehalten werden, denn es kommt ja ebenfalls in alle Hände.

Nette Vorstellung: Ein Iran mit Atomwaffen, Nordkorea mit der Wasserstoffbombe… Und jetzt erzähl mir bitte keiner, dass – wenn alle den Zugang zu diesen Waffen hätten – die Abschreckung für alle so groß wäre, dass keiner sie mehr einsetzen würde. Das wäre ziemlich unrealistisch, es gibt leider viel zu viele irrationale diktatorische Regierungschefs, die keine Angst vor der eigenen Vernichtung haben. Alle, die damit etwas anfangen können, empfehle ich die Lektüre von Dürrenmats „Die Physiker“ – das Stück sollte es sicher mittlerweile auch in Google Books geben.

Kulturflatrate funktioniert nicht

Doch jetzt wieder zurück zum Urheberrecht. Wir haben ja schon vorab festgestellt, dass juristisch das Urheberrecht nicht auszuhebeln ist, dass kostenlose Kopien deshalb nicht möglich sind und dass wir deshalb zumindest über eine andere Art der Vergütung sprechen müssen. Die Piraten schlagen hier eine Künstler-Flatrate vor, die den Autoren (hier: Künstlern) ein Einkommen garantiert und den Privatnutzern ansonsten eine Kopierfreiheit garantiert. Die Piraten bleiben dabei allerdings vage, geben keinen Hinweis auf eine Ausgestaltung. Lediglich ein Verweis auf Wikipedia gibt einige Hinweise. Hier finden wir:

„Die Idee der Kulturflatrate ist nun, einerseits diese alltäglich gewordenen Kopierhandlungen zu legalisieren und zweitens eine monatliche Gebühr zu erheben, die an die Rechteinhaber ausgeschüttet wird – als Kompensation für die Nutzung ihrer Werke. Entstanden ist dieser Ansatz auf Grund von Kritik an der momentan gängigen DRM-Praxis und der damit verbundenen Zwangskontrolle der Nutzer. Bei dieser kann sich der Konsument Werke von einem legalen Anbieter herunterladen, wird aber durch technische Maßnahmen an der vom Rechteinhaber nicht erwünschten Weiterverbreitung, aber auch an legitimen Nutzungen gehindert. Überlegungen gingen auch dahin, Computer gegen Kopierschutzumgehungen immun zu machen, was die Freiheit des Nutzers stark beschränken würde (siehe TCPA).“

Offensichtlich geht es also nicht um ein ehrenhaftes Ziel wie die Schaffung eines neuen Urheberrechtes, sondern vielmehr um die Tatsächliche Legalisierung eines momentan illegalen Vorgangs Interessant. Doch weiter:

„Das Prinzip der Privatkopie und der damit verbundenen allgemeinen Abgabe funktioniert in Deutschland nach einem ähnlichen Prinzip bereits seit den 1960er Jahren: So ist auf Leerkassetten und -CDs, sowie auf die entsprechenden Recorder eine festgesetzte Abgabe zu leisten. Die Summe aller Beträge aus der Pauschalabgabe wird dann an die Rechteinhaber verteilt. Grundlage der Verteilung könnte dabei sein, wie oft das jeweilige Werk genutzt wird. Dies könnte näherungsweise über Download-Zahlen oder die Beobachtung einer Stichprobe der Bevölkerung erfasst werden.“

Das klingt auf den ersten Blick ganz nett. Beispielsweise gibt es für Autoren und Fotografen auch eine Verwertungsgesellschaft, die VG Wort und VG Bild, in der man Mitglied werden kann und dann seien Texte bzw. Bilder angeben muss, um Tantiemen zu erhalten. Ähnliches gibt es auch bei der GEMA, die im Musikgeschäft die Rechte der Interpreten schützt und bei der GVL, die die Rechte der Tonträgerhersteller schützt.

Abrechnungsmodus der Flatrate fraglich

Allerdings funktioniert das alles nur, wenn die Verwender der Inhalte – also Medien, Verlage, andere Redakteure und Autoren etc., eine Nutzungsmeldung abgeben. Das ließe sich vielleicht noch regeln:

„Befürworter der Kultur-Flatrate erwarten, dass durch diese einfachere und detailliertere Erfassung eine, im Vergleich zur aktuellen Datenerhebung durch die GEMA, exaktere und damit gerechtere Verteilung ermöglicht wird. Um das System auch für die andere Seite, die Benutzer, gerechter zu gestalten, gibt es die Idee, eine Staffelung des Beitrags je nach Geschwindigkeit des Onlinezugangs und Art der Abrechnung (Zeittarif/Volumentarif/Flatrate) einzuteilen.“

Also, es wird bezahlt entsprechend der Zugriffe und der Zugriffsmöglichkeiten. Allerdings sind die ausgeschütteten Summen in den bestehenden Systemen so gering, dass man davon i.d.R. nicht leben kann. Das wird bei einer Pauschalabgabe wahrscheinlich auch nicht anders sein: Das System krankt dabei noch in einem weiteren ganz entscheidenden Punkt, der allerdings auch mit den „davon leben können“ zusammenhängt:

Verlust der Individualität

Es geht jegliche Individualität verloren. Bezahlt wird ausschließlich nach Stückzahl bzw. Aufruf. Es interessiert keinen, ob ich einen Tag oder ein Jahr an dem Werk gearbeitet habe. Und da ich dem Pauschalierungssystem unterworfen bin, habe ich auch keine Möglichkeit, beispielsweise den Preis meines Romans an die Erstellungszeit anzupassen, d.h. einen höheren oder niedrigeren Preis von meinem Käufer zu verlangen. Die Folge wird sein, dass aufwendige Arbeiten nicht mehr durchgeführt werden, Qualität geht flöten (sie rechnet sich ja nicht), Werke werden schnell erstellt und schnell publiziert – unsere Gesellschaft verliert wieder ein Stück qualitativ hochwertiger Kultur. Ich als Urheber habe keinen Einfluss mehr auf die Verwertung meiner Arbeit.

Seltsam, sowas gab es doch schon mal… Ach ja, das war das System, das wir aus der ehemaligen DDR oder der UdSSR kannten – oder aus dem heutigen China noch kennen. Ausbeutung der werktätigen Intelligenz. Allerdings meine ich mit „System“ nicht den Sozialismus, denn echter Sozialismus ist etwas anderes. Sondern eben nur die Diktatur eines Teils der Bevölkerung über einen anderen und die Ausbeutung deren Arbeit.

Chancen im  des Netz nutzen – Gefahren bekämpfen

Abschließen möchte ich mit einem Zitat der Piraten, den ich absolut unterschreiben kann, aber den ich ganz anders auslege, als die PP es tut:

„Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verfügbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare Nähe gerückt. Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielfältige Lebensbereiche und führt zu tief greifenden Veränderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor möglichen Gefahren zu warnen.“

Genau darum geht es mir auch: Ich arbeite seit 1994 mit, später im Internet. Meine Intention ist es, die Chancen des Mediums zu nutzen, bei seiner Entfaltung zu helfen und so zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit beizutragen. Klingt pathetisch, ist aber so gemeint. Tatsächlich sehe ich aber in  der Art und Weise, wie hier die Rechtsform des Urheberrechtes abgeändert bzw. dessen Vergeltung verändert werden soll, eine existenzielle Gefahr – für die Vielfalt im Netz, für dessen Inhalte und für die Weiterentwicklung, letztlich für das Netz selbst.

Mein Fazit zur PP trete ich an einen der Kommentatoren auf den Seiten der PP ab:

„Wie die meisten hier finde ich, dass die Einschnitte, die sie in Sachen Urheberrecht planen, viel zu drastisch sind. Schriftsteller, Musiker, Journalisten müssen an ihrer Arbeit verdienen können. Das gehört auch zum Schutz der Kultur, sonst bestehen unsere kulturellen Errungenschaften in ein paar Jahren aus den Texten von Hobbybloggern und Forumseinträgen. Hier geht mir das Programm eindeutig zu weit…“

Mir auch!

Simplizissimus

Links: Programm der Piratenpartei zum Urheberrecht und Kommentare

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23 Responses to Urheberrechtsreform der Piraten – Ideen und Irrtümer

  1. binaryzero sagt:

    Als Musiker und Zeichner stimme ich zu. Als Administrator von Beruf und Computerveteran (1982) frage ich mich allerdings: Warum sehen alle das Internet als Verkaufsfläche an? So war es nie gedacht, dazu ist es nicht da – ursprünglich war es eine Informationsplattform (auch und besonders zu der Zeit, als es noch gar keine Browser gab).

    Erst wollten alle alles ins Netz stellen. Heutzutage meckern alle, daß sie es nicht mehr daraus entfernen können. Schon komisch..

    • hi binaryzero, ja, das netz war ursprünglich eine reine kommunikationsplattform. aber wie bei vielen entwicklungen verändert sich auch dieses stetig – genau das macht ja einen reitz des www aus. und seit von den in deutschland verfügbaren jährlichen werbegeldern immer mehr von den klassischen printverlagen und tv-sendern ins netz abwandern, verlagern ebendiese arbeitgeber ihr interesse auch imme mehr aufs netz. um hier werbegelder aquirieren zu können, brauchen sie inhalte. und die erhalten sie von ihren zeitungsreportern oder tv-autoren, da sie hier umfassende nutzungsrechte haben und inhalte einfach zweitverwerten. also: als autor kann ich mir selbst kaum noch aussuchen, ob meine texte auch ins netz kommen. sind sie aber erstmal drin, sind sie aktuell freiwild. einfach unfaire situation… und bei projekten wie der google-bibliothek wurden die meisten autoren überhaupt nicht gefragt. und das geht meiner meinung nach garnicht…

  2. Kopfschrott sagt:

    just my daily ‘Kotzreiz’ (23)…

    dieser Trackback sorgte gestern Nacht eigentlich schon wieder für kleinere bis mittelgroße Bröckchen, die meinen Magen gen Speiseröhre verließen. Nur gestern Nacht hatte ich keine Lust das zu zerreißen, aber wenn schon jemand so nett ist mir einen Trac…

  3. ed sagt:

    dein trackback scheint bro0ky zu sein. daher kommentier ich auch mal per hand. mein kommentar hier zu

  4. H. Lubenow sagt:

    @simplizissimus: Wollte nur sagen, daß ich ganz Deiner Meinung bin.
    Wahrscheinlich läuft der Meinungskampf gerade so, daß z.B. im Softwarebereich die OpenSource-Leute die Rechte der Urheber beschränken wollen, während die Urheber (Softwareindustrie) der OpenSource-Bewegung durch Einführung von Softwarepatenten an den Kragen wollen.
    Die vernünftige Abwägung liegt in der Mitte zwischen diesen beiden Extrempositionen. Das ist der der Rechtszustand, so wie er jetzt ist. Die Frage ist nur, ob er so bleibt.

    Viele Grüße

  5. Felix Nagel sagt:

    Kurz zu deinem Poll: du redest von „meiner arbeit in deutschlands größten journalistischen fachverband sowie aus meinem jurastudium einfließen lassen“ und machst dann so einen Poll? Ja, ist einer der Gründe warum du öfters mal gelesen hast was die böse „Netzgemeinde“ von den Qualitätsmedien halten. Neben dem Fakt das die meisten „Journalisten“ mittlerweile nur noch dpa Meldungen umschreiben. Recherche und Überprüfen der Fakten is ja wohl nur noch selten der Fall. Ne schöne Übersicht gibt ja im Bildblog, der die bekannt sein sollte.

    Leider ziehst du da einige Sachen raus und legst sie falsch aus. So vergleiche wie mit den Atomwaffen — also bitte? Das is doch peinlich.

    Was Urheberrecht angeht. Niemand will Autoren nicht mehr vergüten, niemand will Musikern nichts mehr zugestehen. Ich bin selbst kreativ tätig und beruflich Programmierer: was ich mache soll und hat auch ein Copyright. Und ich will dafür entsprechend entlohnt werden. Den meisten Leuten im Umfeld der PP geht es ähnlich. Niemand will Lebensgrundlagen wegargumentieren. Wer etwas schafft wird dafür entlohnt. Die Frage ist wie und die Frage ist was umsetzbar ist. Es geht erstmal darum das ganze Bevölkerungsgruppen kriminalisiert werden. Das die Realität weit weg ist vom Recht. Das kein Staat und keine Industrie die Menschen aufhalten wird beim kopieren. Die Technologie ist da einfach zu weit und beruht nunmal auf kopieren.
    Die Leute können sich den Kram auch brennen oder per Festplatte tauschen. Dann setzt man sich gemütlich daheim hin und überspielt das — wie in Ihrer Jugend! Den Apsket des „Remixen“ auf YouTube und Co, also das schaffen neuer Werke mal ganz ausser Acht gelassen.

    Als Beispiel Musiker:
    Seien wir doch mal ehrlich, Musiker haben bis auf wenige Ausnahmen doch noch nie richtig Geld verdient — Geld verdient haben vor allem die Verwerter, die Industrie. Genauer: wenige Bosse und Aktionäre dieser Firmen. Also reden wir doch bitte nicht von den Rechten der Musiker. Nenen wir es beim Namen: Die Industrie hat den Wandel verpasst und aufs falsche Pferd gesetzt. Das merken die jetzt auch (siehe DRM) und schreien nach Hilfe! Sie haben die Zeichen der Zeit verpasst und obendrein nicht auf langfristige Qualität sondern auf die schnelle Mark gehofft. Sie haben Schund produziert (der übrigens WIRKLICH zur Verrohung unserer Jugend beiträgt: siehe Aggro und Eminem) für den niemand Geld bezahlen will, weil er morgen alt ist und ich die dann CD logischerweise auch nicht brauche. Echte Fans kaufen gerne Alben im Laden, mit Booklet zum anfassen und gehen auf Konzerte.
    Fakt bleibt: das bisherige Urheberrecht ist so nicht mehr durchsetzbar und wird es auch nie wieder. Dafür muss eine Lösung gefunden werden. Die, da werden Sie mir als Bürger wohl zustimmen, möglichst nicht von einer Contentindustrie, die den Wandel vollkommen verschlafen hat, bestimmt wird. Und erzählen Sie mir nicht Sie hätten keine gebrannten CDs 😉
    Stichworte wären hier zum Beispiel Creative Commons oder Kulturflatrate.

    Um kurz auf Autoren zu kommen. Die PP und deren Umfeld will doch keine Autoren arm machen. Vielmehr geht es darum das es nicht sein kann das wissenschaftliche Arbeiten vom Staat, also der Allgemeinheit finanziert werden, und dann von Verlagen vermarktet werden und selbst die Unis die Bücher „zurückkaufen“ müssen. Was google Books da macht is definitv fragwürdig, da stimme ich zu.

    Zum Thema Softwarepatente: die sind gefährlich. dazu gibts einige Projekte, einfach mal nachlesen. Meist sind die Organisatoren selbst Programmierer und Fachverbände: http://www.patentfrei.de

    FAZIT:
    Mir is klar das ich hier nich auf jeden Punkt entsprechend und ausführlich eingegangen bin. Meinen Standpunkt anständig darzulegen ist schwierig, da müsste ich mir richtig Zeit nehmen um jeden ihrer Punkte auseinender zu nehmen. Die ich leider nicht habe immo. Ich muss jetzt echt dringend weiter an meiner Diplomarbeit schreiben.

    Sie sind nicht zufällig in Hamburg oder?
    So ein Thema bespricht sich viel besser bei einem kühlen Blonden nach der Arbeit.

    Grüße
    Felix Nagel

  6. Asca sagt:

    Sieht ganz gut aus, ich werd das wohl Sonntag abend mal kommentieren. Kann aber schon jetzt sagen, dass ich in einigen Punkten nicht mit dir übereinstimme. 😉

  7. @asca: ich freu mich schon darauf, muss aber gleich vorweg sagen, dass ich ab montag wieder arbeite (hatte ein wenig urlaub). ich werde also eventuell nicht direkt antworten können. oder meintest du felix?

    @felix: vorweg: lass uns doch du sagen. ich lebe nicht in hamburg, aber ich wäre trotzdem zu einem realen treffen gerne bereit. ich müsste nur schauen, wann ich mal bei euch in der nähe bin.

    auch ich denke, dass seine gedanken a) sammeln und b) hier richtig strukturiert wiedergeben, nicht nur nicht einfach ist, sondern mir zumindest sehr schwer fällt (ist ja auch ein komplexes thema). auch mir ist das nicht immer gut gelungen. vielleicht magst du das auch als entschuldigung nehmen, wenn dir der ein oder andere gedankensprung „wirr“ erscheint. zumindest scheinst du ein gewissen verständnis aufzubringen, zumindest manchmal.

    zu den „bleichen“ nerds – das war natürlich ein stück weit provokation. aber tatsächlich geht es darum, dass die bisherigen „fachleute“ das netz unter sich ausgemacht hatten – und sich jetzt mit den mainstream-daus konfrontiert sehen. ich hab sowas schon in anderen bereichen erlebt. das gibt immer konflikte, weil man dabei auf eventuell liebgewordene privilegien verfzichten muss. aber es ist ein ganz natürlicher vorgang, einfach realität. dagegen anzukämpfen ist, die energie in die falsche bahn zu lenken. besser wäre es, die mainstream-bewegung aufzugreifen, sich zum motor der bewegung zu machen und so zumindest einen (geringen) einfluss auf die richtung zu nehmen. die pp liegt hier m.a. einfach falsch.

    zu den „atomwaffen“: es ist auch hier ganz einfach. wenn ich etwas geistig entwerfe, konzipiere und „schaffe“ – also der urheber eines werkes bin – dann möchte ich entscheiden können (unabhängig vom monetären aspekt), WIE das werk von anderen genutzt wird und von WEM es genutzt wird. tatsächlich bin ich der meinung, dass man als urheber manchmal auch die entscheidung treffen muss, sein werk NICHT der allgemeinheit zugängig zu machen, weil diese noch nicht reif dafür ist oder es eben diese gemeinschaft schädigen würde. egal, jedenfalls sollte diese entscheidung eines urhebers berücksichtigung finden. und dürrenmatt hat halt mit „die physiker“ ein literarisches werk geschaffen, dass diese grundlegende ethische frage anhand der entwicklung der atombombe erörtert. im prinzip ist das eine komödiantisch-satirische behandlung der frage, ob man wissen immer und unter allen umständen der öffentlichkeit zugängig machen muss – oder ob es nicht gründe geben kann, darauf bewußt zu verzichten. in diesem zusammenhang ist auch „heller als tausend sonnen“ von robert jungk interessant, das über das manhatten project geht und sich mit den menschen beschäftigt, die die atombombe entwickelt hatten. diese buch wurde von dürrenmatt rezensiert, die rezension floss in die späteren „physiker“ ein.

    abschließend gibt es aber auch die these dürrenmatts, dass es keine möglichkeit gibt, „Denkbares geheim zu behalten. Jeder Denkprozess ist wiederholbar.“ das problem der atombombe könne nur international gelöst werden „durch Einigkeit der Wissenschaftler.“ denken werde in zukunft immer gefährlicher, es sei aber unmöglich, „die Pflicht, ein Dummkopf zu bleiben, als ethisches Prinzip aufzustellen.“ nachdem die resolutionen der Wissenschaftler in „die physiker“ zu spät gekommen seien, „verfügen nun die [über die Atomkraft], die sie nicht begreifen.“ das wäre übrigens ein aspekt, der für eine stärkere kontrolle des netzes durch die nerds sprechen würde. wenn du kannst, dann leih dir doch mal die angesprochenen werke in der bibliothek. unabhängig von der atom-thematik – die ein beherrschendes thema meiner jugend war – kann man da auch viel ethisches mitnehmen, was sich auf andere lebensbereiche adaptieren läßt.

    fazit: das alles ist ein hochkomplexes thema, wahrscheinlich für mehr als einen abend als gesprächsthema geeignet. vielleicht läßt sich ein direktes treffen doch mal organisieren.

  8. Frank sagt:

    Ahoi!

    Ein Künstler, ein Journalist und ein Schriftsteller haben natürlich eine Entlohnung verdient. Es geht den Piraten (die offizielle Kurzform der Piratenpartei ist Piraten, nicht PP) nicht um eine „Enteignung“ von Kulturschaffenden. Es wird ja nicht gefordert daß Creative Commons Gesetz wird. Es muss ein faires Verwertungssystem geschaffen werden. Und ein dem angelsächsischen „Fair Use“ entsprechendes Konzept entwickelt werden. Kulturflatrate ist schon mal eine Möglichkeit. Denn machen wir uns nichts vor, aktuell werden die Inhalte ohne Bezahlung massenhaft weitergereicht. Wenn ein Künstler allerdings wenigstens aus einem Topf einer Kulturflatrate etwas zurück bekommt dann ist das besser als die jetzige Situation.

    Im übrigen gibt es auch Künstler welche Millionen verdienen aber trotzdem Creative Commons sind. Trent Raznor, Nine Inch Nails, ist da so ein Fall. Der ist sogar sehr agressiv was CC angeht, verkauft aber trotzdem noch Platten (auch die neuen CC-Platten), Konzerttickets und Merchandising.

    Ich glaube auch nicht wie der SPDler Gorny, Sprachrohr der Musik-Contentmafia, daß MP3-Sharer an der Absage der Popkomm schuldig sind. Das ist ein kulturelles Problem. Wenn Mainstream-Musik nur noch zu Plastikpop und Casting-Schrott führt und die Rechteverwerter auf Klingeltöne setzen statt auf ordentliches Künstler-Entdecken und aufbauen (das gute alte A&R) dann sehe ich erstmal ein kulturelles Problem. Ein Kulturgut wird zum Fast Food-Industrieprodukt. Die eher subkulturellen Musikstile denen Musik eher als Kulturgut gilt haben daher weniger mit dem Problem zu kämpfen als die Majors mit ihren Mainstream-Kunstprodukten.

    Bei den Piraten brauchen wir Meinungen und Mitarbeit von Künstlern die sich einbringen und Vorschläge machen wie sich die Bedürfnisse von Künstlern und Autoren und der freie Zugang (nicht kommerzielle! Raubkopierer aus wirtschaftlicher Motivation sind ja nicht gemeint) des Netzes sich die Waage halten. Wo beide Seiten mehr von haben als heute.

    Liebe Grüße,
    Frank

  9. Klischeepunk sagt:

    Stichworte zum Googlen:
    Free Software Foundation
    GNU
    Copyleft
    Open Access
    (L)GPL

    Stichworte zum drüber nachdenken:
    Verwertungsindustrie und Urheber
    Softwarepatent und Programmentwicklung
    Künstler und geschaffenes Sternchen
    Wissenschaftliche (weiter)entwicklung bei mangelnder Veröffentlichung.

    Einen Punkt möcht ich noch einbringen:
    Das Atom-Bomben Beispiel ist wirklich VÖLLIGST hirnrissig, jeder 12. Klässler kann die voraussetzungen/Berechnung für den Bau einer kleineren Bombe inzwischen anstellen, das ist Schulstoff und kein Buch mit 7 Siegeln. Aber anscheinend fehlt vielen Leuten eine gewisse Naturwissenschaftliche Vorbildung um sich dieses Punktes bewusst zu sein.

    Nochwas: Um mal auf die Verwertung und Urheberrechte kurz einzugehen: Stell dir vor die Newtonschen Gesetze würden einem Recht unterliegen, welches dir verbietet diese Grundlagen bei weiterführenden Überlegungen anzuwenden und/oder die Formeln bei Berechnungen zu nutzen. Nun will ich wissen, wie du dir die beweisführung der mechanischen Physik vorstellst.

    Ich hab jetz ehrlich gesagt keine Lust deinen Post völlig in der Luft zu zerreissen aber schwer fällt es bei einer derart oberflächlichen und flachen Argumentationslinie nicht.

  10. @Klischeepunk – ja, wenn mir die trauben zu hoch hängen, komme ich auch in die versuchung, sie schlecht zu reden.

    die atombombe war auf dürrenmatts „die physiker“ bezogen, vielleicht machst du dich einfach mal schlau, wann dürrenmatt den roman geschrieben hat und überlegst dann mal, wie damals der allgemeine wissensstand war. danke, aber in punkto naturwissenschaft habe ich keinen nachholbedarf. offensichtlich du aber in punkto literatur.

    ach ja, du solltest nicht – wie andere auch – den fehler machen und urheberrecht und patentrecht miteinander vermischen bzw. meine positionen zu beiden. ich habe nämlich zu beiden eine durchaus differenzierende meinung. aber wenn du meine posts gelesen hättest, wüsstest du das.

    fazit: lesen bildet – bleib ma logga… 😉

  11. Klischeepunk sagt:

    Das ist nun wieder die Frage inwieweit man Patentrecht und Urheberrecht trennen kann, und wo genau diese Trennung verläuft.
    Aber um auf das Thema Urheberrecht zu sprechen zu kommen:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30450/1.html

    Und das Atombombenbeispiel bleibt schlecht, Dürrenmatt hin oder her – da es inzwischen eine andere Zeit ist. Die Überlegung wann nicht verantwortungsvoll genutztes Wissen Gefahren schafft ist natürlich zeitlos, das konkrete Beispiel – einfach nicht drin.

    Übrigens ich kenn diverse „Künstler“ und ich vermute du auch. Wir tauschen deren Musik untereinander und laden sie uns auch Runter – mit welchem Effekt? Dass besagte Künstler sich über volle Räume in den Konzerten freuen können und wir danach gemeinsam mit denen ein Bier trinken. Dass genau diese Leute fragen „Wie habt ihr von uns gehört, wir kommen doch ‚vom arsch der welt‘?“ und wir mit „Downloads“ antworten, was dazu führt, dass Konzerte besucht werden wo ansonsten nichtmal die Hälfte käme. Das stellt sich bei Autoren oftmals sicher anderst dar, mangels Live-Performance, aber auch gerade diese können sich über gesteigerte Bekanntheit freuen. Das ich mir nicht jeden Scheiss kauf, den ich runterlad – eh klar, aber das Zeug überlebt auch auf meiner Platte nicht lang.
    Um auf die Phönix Diskussion anzuspielen in der Scholz meinte „ihr könnt das Buch ja auch nicht aus dem Laden mitnehmen, lesen und dann entscheiden ob ihr dafür zahlt“ – Richtig. Aber wir können das Buch aus der Bibiliothek mitnehmen, es lesen und entscheiden ob wir’s in unsere Privatsammlung mit aufnehmen.
    Und es ist sogar so, dass sich hier die Möglichkeit bietet, mir anzuschauen was ich zu kaufen Gedenke, und dies dann zur Wahl nutzen kann.
    Kaufst du dir nen Rasierer von dem du weisst, dass er nicht richtig schneidet oder siehst du das als „hoppla, pech gehabt, investieren wir halt nochma n Hunni in ne andere Marke“?

    Außerdem kann ich mich nicht erinnern irgendwo die Forderung gelesen zu haben den Leuten ihre Rechte an ihren Werken streitig zu machen. Aber wer hat denn noch das Recht an seinem Werk? Irgendein Verlag hat ein Recht an einem Werk für das er mit Abstand am Wenigsten getan hat. Irgendeine Ominöse Organisation zwischen „Künstler“ und „Verbraucher“ – und wir befinden uns auf einem Weg der große Teile dieser Strukturen kurzerhand überflüssig macht. Kleine Labels – auch zwischenorganisationen gehen diese Wege bereits, teils mit deutlichem Erfolg. Andere orientieren sich am CC/CopyLeft Konzept.
    Hierzu:
    http://de.creativecommons.org/

    Und wieder andere bleiben nunmal in einem Jahrhundert in dem es für den einzelnen nicht möglich war die Masse zu erreichen. Ich glaub den ersten teil des Schrittes hast du bereits gemacht – und er scheint dir entgegen zu kommen, sons würd ich keinen Sinn drin sehen wieso du einen Blog pflegst, sogar mit dem Aufwand der Moderation. Nur der geistige Schritt in diese Richtung scheint dir zu fehlen und du ziehst die gleichen Hahnebüchenen Argumente wie Scholz kürzlich heran und übrigens ähnlich oberflächlich. Hillbrecht hätte ihn in meinen Augen problemlos in der Luft zerfetzen können.

    Achja, bevor meine Art auf die Piraten zurückfällt – ich bin kein Pirat.

    Ich bleib gern locker wenn ich das Gefühl hab, dass sich jemand eingehend mit den Themen die er behandelt ausseinander gesetzt hat und das fehlt mir hier massiv, kann aber auch nur ein Gefühl sein, weil ich anderer Meinung bin.

  12. H. Lubenow sagt:

    @Klischeepunk: Wenn Du dem einen was gibst, nimmst Du dem anderen was. So ist das im Recht. Deswegen gibt’s da auch das Symbol der Waage. Gegenwärtig haben Urheber das Recht, ihr Werk zu verwerten: Entweder selbst oder durch Verlage oder andere Organisationen. Die Urheber haben auch das Recht, ihre Urheberrechte auf andere zu übertragen. Wenn Du oder die Piraten ein anderes Modell wollen, ein Modell, in dem Nutzern mehr Rechte eingeräumt werden, nehmt ihr den Urhebern ein entsprechendes Maß an Rechten. Zwangsläufig. So einfach ist das. Klar, daß die Urheber sich das nicht gefallen lassen wollen.

    Gruß

    • Klischeepunk sagt:

      So klar seh ich das nicht sorry, die tatsächlichen Urheber meckern wesentlich weniger als die Verwerter, was ich ziemlich bezeichnend finde. – So zumindest mein Eindruck und die entsprechenden Meldungen (heise ist ja immer dabei wenns um Meldungen Richtung Urheberrechtsverstöße geht)

      • @klischeepunk: ich bin mir nicht sicher, ob die tatsächlichen urheber weniger „meckern“ – oder ob sie einfach nur nicht so wahrgenommen werden, wie der großen verlage etc: im journalistenverband, bei verdi und in den anderen fachverbänden, in denen sich beispielsweise die journalisten tummeln, sieht das ganze schon anders aus: da herrscht überweigend dicke luft – und der ärger kanalisiert sich gegen die verlage – aber auch gegen gruppierungen wie die piraten. versuch dich doch mal, ganz kurz in unsere lage zu versetzen: dein zeitungsverlag, für den du texte schreibst, vergütet dir die texte – wenn du als freier autor gut bist – mit bis zu 52 cent je zeile (in einer lokalredaktion) bzw. wenn du ein anerkannter fachautor bespielsweise in einem speziellen wirtschaftsthema bist, dann bei den großen überregionalen zeitungen mit rund 1500 bis 2000 euro je doppelseite. für die doppelseite musst du allersings einige tage recherche und vorarbeit reinstecken – und du verkaufst davon erfahrungsgemäß eine nur alle paar monate. in den vergütungen ist – entsprechend der verlags-agb – die einräumung eines umfassenden nutzungs- und verwertungsrechtes mit drin, d.h. der verlag kann mit der von ihm gekauften version auch die onlineseite füllen, ein in drei wochen geplantes „spezial“ zum thema mit befüllen oder die texte – weil der verlag mehrere zeitungen hat – mehrfach einsetzen, dieses wiederum inkl. deren onlineseite etc. – alles ist in der einen vergütung mit abgegolten. die einzige möglichkeit, wie du tatsächlich noch einen mehrwert aus deiner arbeit ziehen kannst, ist, indem du die inhalte, die du vorab mühselig recherchiert hast, in einem zweiten text zweitverwertest und diesen dann weiter gibst. der bedarf an deisen zweitverwertungen ist aber in der letzten zeit massiv eingebrochen – weil jeder sich alles überall kopiert und bei sich einsetzt. „ist ja nur privat auf der eigenen homepage, also erlaubt“ – so ist die argumentation dieser user. viele kollegen sind mittlerweile dazu übergegangen, dass sie versuchen, an die echten adressen der domaininhaber heranzukommen und denen dann eine rechnung zu schicken. tatsächlich sehen sie zwar in den wenigsten fällen geld, aber zumindest die geklauten texte verschwinden meist sehr schnell aus dem netz und du hast zumindest die chance, dass du doch noch einen text verkaufen kannst.
        fazit: die situation ist wirklich haarig – und aus sicht der kleinen autoren schlicht existenziell. wie lubenow schon sagte: wenn du in userer gesellschaft einem was gibst, nimmst du gleichzeitig einem anderen was weg. derjenige, dem man hier was wegnimmt, ist aber genau derjenige, der beruflich einen freien zugang zu unabhängigen informationen garantiert (art. 5 gg). im übrigen steht im grundgesetz ja auch „freier“ zugang zu informationen. nicht „kostenlos“.

        • stk sagt:

          @simplizissimus: Was ist denn dann aber schlimmer? Die Tatsache, dass jemand unerlaubterweise (nichtkommerziell) zweitverwertet, oder dass die Verlage einem fuer die langwierige Arbeit nur ein Taschengeld bezahlen?

          Und vor allem: Wer schlaegt den meisten Profit heraus? Der nichtkommerzielle Zweitverwerter, oder die Verlage?

        • Klischeepunk sagt:

          Weisste, der einzige unterschied zu vor 100 Jahren ist
          a) jeder kann damit was anfangen,
          b) kopieren ist einfacher geworden.

          Was also hat sich faktisch tatsächlich geändert? – Man braucht 20 Sekunden um Texte zu suchen und zu kopieren anstatt (Zeitdauer) um Texte zu suchen und abzuschreiben.

          Wenn du dich in eine Welt wünscht In der es lohnender ist jemanden für 2 Seiten Text zu bezahlen, für die man Teile ausschnittsweise braucht, anstatt sie sich anderweitig zu besorgen (abgesehen davon hat auch der Urheber nicht mehr den Aufwand sie suchen zu müssen), dann bleibt mir nur zu sagen: Zieh zu den Amish oder ähnlichen Techneologie-fernen Gruppierungen.

          Nur mal aus interesse – Was liest du in der Heutigen Zeit hauptsächlich? Überwiegend Printmedien oder überwiegend elektronische Inhalte?

          Anyways, 2 Punkte noch. Ich finde es erschreckend wie brav die Leute um ihren „Lebensunterhalt“ jammern – Leute die was ändern könnten – darum jammern wie unfair sie behandelt werden oder wie unkorrekt und ungerecht das Netz ist, anstatt auf der Chance die ihnen das Netz bietet aufzubauen.
          Keiner will dir dein Eigentum wegnehmen und genau das passiert auch nicht. Dein Eigentum wird kopiert, fotografiert wenn du so willst um es jemand zu geben, der dieses Eigentum nutzt um sich weiter zu bilden, oder es weitergibt an jemand der es nutzt um …

          Ich weiß, daß frei keineswegs Kostenlos heisst, aber warum wird lieber geblockt und geheult, statt sich Gedanken drüber zu machen, wie man die Menschen einheitlich informiert, aufklärt und Unterrichtet ohne dass jemand benachteiligt ist und wie man sich selbst dabei „finanziert“ wenn man so will. Weg vom „Geldzwang“. Hin zu einer Leidenschaft, die man über andere Konzepte als die der Verwertungsindustrie finanzieren kann.

          Soviel mal zu dem was mir durchn kopf geht. Weiterhin siehe stk’s Kommentar, ein absoluter Volltreffer.

  13. stk sagt:

    @simplizissimus: Die Trennung Patent- und Urheberrecht ist in der Tat interessant. Wir nehmen es als selbstverstaendlich hin, dass Patente nach vergleichsweise kurzer Zeit auslaufen, sofern sie nicht verlaengert werden, wenngleich doch auch sie dem Schutz „geistigen Eigentums“ vor der Ausschlachtung durch Dritte dienen sollen (Ich weiss, das ist de facto nicht mehr so).

    Warum sollte das beim Urheberschutz anders sein? Warum sollen oft weit ueber 100 Jahre ab Schoepfung eines Werkes vergehen, bis es gemeinfrei wird? Und profitieren auch nach 20 Jahren tatsaechlich noch die Urheber von diesem Schutz?

  14. H. Lubenow sagt:

    Siehe auch (mal):

    http://www.faz.net/urheberrecht

    Gruß

  15. scardanelli sagt:

    Der Beitrag ist sehr schlecht recherchiert: Mehrmals steht da, die Piratenpartei wolle „das Urheberrecht abschaffen“, was nicht stimmt. Mehrmals wird der Begriff „geistiges Eigentum“, als etwas mit „materiellem Eigentum“ vergleichbarem behandelt – „geistiges Eigentum“ ist aber eine falsche Analogie, ja ein irreführender Kampfbegriff! Es wäre einmal interessant gegen solche Vorurteile zu hören, was ein Experte für Urheberrecht, Professor für Informationsrecht und Richter am OLG Düsseldorf, dazu sagt:

    Dann ein Mann aus der „Praxis“:

    Wir HABEN massenhaftes Filesharing und weder die Musiker noch die Schriftsteller verhungern – und wie will man das Filesharing wirklich unterbinden? Das geht nur, INDEM MAN ALLE INTERNETVERBINDUNGEN STAATLICH/POLIZEILICH ÜBERWACHT – und da sind in der Güterabwägung doch wohl die Bürgerrechte wichtiger als die Interessen einiger Großkonzerne …
    Aber nochmal grundsätzlich: KOPIEREN IST NICHT STEHLEN – und: GEISTIGES EIGENTUM GIBT ES NICHT, EIGEN-TUM kann nur einem gehören und nicht ohne Wertminderung massenhaft kopiert werden – am Beispiel eines Songs: GEISTIG ist am Song der Song selbst, nicht die Aufnahme: jeder darf das Lied aber überall nachsingen, auf der Straße, in den Kneipen, usw. die Aufnahme wiederum ist nicht mehr geistig, sondern eine Materialisierung, und selbst diese Aufnahme SOLL ja verbreitet werden (am besten gegen Bezahlung, das ist klar), ist aber auch kein Eigentum, der Urheber will sie ja nicht für sich behalten — was ist also an einem Song „geistiges Eigentum“? Definier das mal! Was es gibt ist einen Urheber und der hat Rechte daran, z.B., dass kein anderer damit Geld verdienen darf und/oder behaupten darf, es wäre von ihm, aber das Urheberrecht will die Piratenpartei NICHT abschaffen …

  16. Klischeepunk sagt:

    Ich weiss der Eintrag ist nicht ganz neu, aber das wollt ich doch mal hinterlassen:

  17. Schiwi sagt:

    „Keine Konkurrenz, keine Kreativität!“ ??

    Diese Aussage finde ich so was von Falsch!
    Bestes Beispiel das diese Aussage falsch ist, wäre Linux:
    Tausende von Leuten haben _miteinander_ und nicht gegeneinander dieses Betriebssystem zu einem der führenden auf dem Markt gemacht, Kooperation bringt also viel mehr als Konkurrenz

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