Urhebenrrechte im Internet

erster kommentar zu „die piratenpartei und phoenix

ich bin selbst autor und muss von dem leben, was ich schreibe. und viele bekannte und freunde von mir schreiben auch für zeitungen und müssen sich mit einem lausigen zeilenhonorar herumschlagen. und wenn sie dann für die zweitverwertung im internet einen kleinen aufschlag verlangen, weil sie ja urheber ihrer geschichte/ihres artikels sind, dann sind sie – nach dem ansatz der piraten – auf einmal die “bösen” feinde des freien internets.

ist euch eigentlich klar, was das heißt? keiner, der professionell vom journalismus leben möchte, wird zukünftig fürs netz schreiben, da man davon nicht leben kann. gleiches problem mit den durch google eingescannten büchern, die zur weltgrößten bibliothek werden sollen, ohne dass dafür die schöpfer der literatur dafür auch nur einen einzigen cent erhalten: gut aus konsumenten(leser-)sicht, schlecht für denjenigen, der mit schreiben seine familie ernähren möchte. und die dritten, die davon betroffen sind, sind die interpreten von songs: welcher künstler macht sich den aufwand mit tonstudio, produktionsmannschaft, songschreiber und texter etc., wenn er dann später keine cds verkaufen kann, weil alle songs illegal im netz angeboten werden?

Ja, geiz ist geil – das kann unsere gesellschaft ganz gut. aber musik, literatur und nachrichten sollen bitteschön nicht nur frei verfügbar sein, sondern auch kostenlos. und da beißt sich der hund in den schwanz, das hat noch nie geklappt und wird auch zukünftig nicht klappen: qualität hat einfach ihren preis. als konsument kann ich einerseits verstehen, dass man geld sparen möchte – auch wenn ich nicht weiß, was das einsparen wert ist, wenn die qualität immer weiter abnimmt. aber vielleicht sehe ich das aus meiner ganz persönlichen sicht – und bin damit kein mainstream, zumindest nicht im netz.

und noch zur kinderportno-internet-zensur, die ja in der phoenix-sendung ebenfalls angesprochen wurde: wenn in den nachrichten darüber berichtet wird, dass ein kinderporno-ring ausgehoben wird und von diesen angefertigte pornografische fotos beschlagnahmt werden, dann freue ich mich und den anderen menschen, die ich kenne, geht es ebenfalls so. nur weil man jetzt auch im netz gegen diese menschen vorgeht, ist es auf einmal verwerflich. ich meine: hallo, es geht um harte straftaten, entführung, sexueller missbrauch, vergewaltigung von kindern, verbreitung illegaler pornografie und nicht um falsches parken oder so. und ich erwarte einfach, dass der staat seinen verpflichtungen nachkommt und mich und meine familie und kinder schützt – genau dafür behält er nämlich von dem bisschen, was ich jeden monat verdiene, auch noch einen teil ein (=steuern). nicht mehr und nicht weniger.

wenn sperren im internet (die ich auch kaum erträglich finde) dazu beitragen, dass die verbreitung (und damit die befriedigung der nachfrage) nach kinderpornografie eingedämmt wird, dann finde ich das letztendlich in ordnung. und natürlich stelle ich mir die frage, wie ein vernünftiger mensch überhaupt zu der überzeugung kommen kann, der staat muss/soll/darf nichts gegen das verbreiten von kinderpornos machen. ich meine, man kann ja über den weg streiten, aber den unterschied zwischen “löschen” und “sperren” hab ich dann noch nicht kapiert.

noch zwei anmerkungen zu vermeintlichen argumenten, die in diesem zusammenhang immer wieder gebracht werden:

zum einen gibt es in fast jedem blog jemanden, der behauptet, er würde im internet nur anreize erhalten, wenn er sich musik bzw. ebooks runterläd‘ – und sich dann ganz schnell die originale kaufen, weil das lesen im buch umso schöner ist und man natürlich auch die cd gerne zu hause hat etc. tatsächlich sei also der download im netz nur werbung fürs produkt. wenn das so ist – und einzelfälle mag es ja durchaus geben – dann kann mir bitte mal jemand erklären, warum der cd-verkauf in der musikindustrie stark zurückgegangen ist und warum vor allem printmedien (zeitungen) massiv im real-geschäft verlieren und massiv im internet aufrüsten, wo sie allerdings nichts verkaupt bekommen, sondern modele mit sponsoring und werbefinanzierung versuchen? (ob das dann für objektiven journalismus spricht, ist ein anderes thema). jedenfallsist doch nur deshalb das e-book-geschäft noch nicht richtig zu laufen gekommen, weil es noch keine wirklich komfortablem e-book-reader zu erschwinglichen preisen gibt. auch wenn das wahrscheinlich bald kommen wird…

fazit: wer qualität möchte, muss dafür zahlen. und menschen, die die kreativität mitbringen und werke erstellen, die urheberrechtlich ihnen gehören, müssen wenigstens soviel dafür bekommen, dass es einen anständigen und fairen gegenwert darstellt.

simplizissimus

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10 Responses to Urhebenrrechte im Internet

  1. Ich werde jetzt meine recht ausführliche Antwort auf Deinen Kommentar bei Kamiakze Demokratie nicht hierher kopieren, sondern einfach mal darauf hinweisen, dass es sie gibt.

  2. […] hatte ich mich schon bei dirk hillbrechts review geäußert, jetzt aber noch etwas zur phoenix-sendung […]

  3. simplizissimus sagt:

    hi carsten, anbei meine antwort:

    „Du bist der Urheber, es steht Dir frei Deine Werke zu welchen Preisen wem auch immer anzubieten…“

    mmh, tatsächlich ist es doch so, dass im netz meine texte und sendungen einfach eingestellt werden – und zwar nicht nur von den verlagen, die zumindest mehr oder weniger nuttzungsrechte erworben haben, sondern vor allem auch von usern, die sich eine sendung auf festplatte aufnehmen oder ausschnitte aus zeitungsartikeln verwenden. da bei youtube und auf anderen plattformen soviele inhalte kostenfrei vorhanden sind, werden die preise für autoren systematisch kaputt gemacht. es gibt zeitungen in deutschland, die die rahmenverträge mit ihrer eigenen presseagentur dpa (deutsche presseagentur) gekündigt haben – mit der begründing, die inhalte der dpa gibt es eh (in anderer form) im internet, da könne man sich ja bedienen. dass das ein trugschluss ist, muss ich hoffentlich nicht betonen: wenn niemand mehr für die nutzung der dpa zahlt, dann werden die inhalte bald ganz verschwinden. und genau das passiert momentan auch mit dem qualitätsjournalismus im netz: wir haben – auch unter den wirklich guten bloggern – autoren, die für ihre arbeit bezahlt werden, die davon leben. niggermeier, schader u.a. – die schreiben, weil sie davon leben. wenn sie davon nicht mehr leben können, dann schreiben sie vielleicht noch als hobbyautor. aber die zeit, die man in die recherche und das texten reinstecken kann, wenn man erwerbsautor ist, können sie sicher nicht mehr aufbringen. aber genau diese sind taktgeber bei themen, decken investigativ inhalte auf und geben stichwörter für die öffentliche diskussion vor. es geht mir also nicht darum, ein bestehendes „geschäftsmodell“ zu schützen, sondern das wesen der freien presse per se. gerade im netz tummeln sich autoren, die mit gutem journalismus nichts am hut haben. wer soll denn zukünftig wissen,ob die inhalte, die publiziert werden, auch ordentlich recherchiert wurden und frei von tendenzen sind?

    „Urheber müssen sich nun mal mit der veränderten Welt zurecht finden – und viele sind inzwischen der Meinung, dass das nicht funktionieren kann, indem man sich an alte Geschäftsmodelle klammert und versucht diese mit Hilfe von Gesetzen gegen die Entwicklung zu zementieren.“

    naja, ich glaube im übrigen nicht, dass das geschäftsmodell per se veraltet ist. wenn man einem bäcker erzählt, er soll doch jetzt bitte mal die brötchen kostenlos herausgeben, dann ist dessen geschäftsmodell auch nicht per se erledigt. und in diesem fall schützt den bäcker eben das gesetzt. ebenso den autor. im übrigen. warum soll es denn nicht möglich sein, auch für geistige arbeit im netz zu zahlen? ich wehre mic ja nicht gegen eine verbreitung meiner inhalte – ich möchte nur für meine arbeit bezahlt werden. will das nicht jeder? eine flatrate wäre vielleicht eine möglichkeite, autoren werden – ähnlich wie mit den vg wort und vg bild – nach aufrufen bezahlt. könnte vielleicht ein modell sein, wenn denn die menschen das alle so sehen. wenn ich aber an die immer wieder aufkeimende gebühren-GEZ-debatte in der bevölkerung denke, dann habe ich starke zweifel, ob sich eine news-flatrate tatsächlich durchsetzen wird.

    zur internet-kinderporno-sperre:

    „Aber das passiert ja im Web nicht: die Inhalte werden gelassen wo sie sind, die Täter werden sogar noch gewarnt, dass man ihre Server entdeckt hat und es wird einfach nur ein Vorhang davor gehängt – aus den Augen aus dem Sinn.“

    also, ich glaube, das entspricht nicht ganz den tatsachen: wo in deutschland oder im einflussbereich deutscher behörden server stehen, auf denen sich illegales material befindet, die können natürlich ohne weitere probleme jederzeit abgeschaltet werden – bereits jetzt schon und auch nach der verabschiedung des neuen gesetzets. es geht bei dem neuen gesetzt meines wissens nach vor allem um die server, die eben gerade NICHT ohne weiteres abgeschaltet werden können, weil man nicht herankommt. und dass man diese (zumindest bis man an die server herankommt) sperren sollte, finde ich absolut richtig und in ordnung.

    worüber man in der tat reden kann, sind die hürden, die erforderlich sind, um eine solche sperrung durchzuführen: richterlicher beschluss wäre da meiner meinung nach schon angebracht, die gerichte müssten dann aber auch eine entsprechende personelle institution dafür schaffen. grundsätzlich halte ich aber die sperrung von kriminellen seiten bzw. seiten mit kriminellem inhalt, an die man anders nicht herankommen kann, für richtig. alles andere, was du aufführst – dass sperren nicht heißt, dass gegen die kinderpornografie vorgegangen wird, sondern eben nur gegen die verbreitung, dass kinder vor allem im eigenen häuslichen bereich missbraucht werden etc. ist richtig, wurde aber von mir nie bestritten. meines wissens nach bedeutet aber das neue „sperr“-gesetz nicht, dass die strafverfolgungsbehörden alle sonstige arbeit einstellen. ich sehe also zumindest keine verschlechterung, eher die möglichkeit, den konsumenten in deutschland den zugriff zu erschweren. und ehrlich: das finde ich ganz gut.

    also, nichts für ungut – von grundsatz her bezweifel ich nicht, dass die motive der pp integer sind, ich finde nur, dass vor allem die unkommentierte und schnelle aufnahme von tauss zusammen mit der meiner meinung nach sehr selektiven, einseitigen und faktisch falschen argumentation, dass die sperrung die sonstigen anstrengugen der strafverfolgungsbehörden der kinderpornografie ablöst, dem ganzen einen faden beigeschmack gibt.

    „“simplizissimus” ist echt passend…“

    ich denke, ich gehe mal davon aus, dass du die gleichnamige romanfigur kennst. in soweit: danke!

    simplizissimus

  4. wer soll denn zukünftig wissen,ob die inhalte, die publiziert werden, auch ordentlich recherchiert wurden und frei von tendenzen sind?

    Wer weiss es denn heute oder wusste es gestern? Oder anders rum gesagt: es ist kein Problem des Internets, dass bei den sog. Qualitätsmedien immer mehr gespart wird, das fing schon früher an und steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter. Daran allein den Nutzern die Schuld zu geben ist ein bisschen zu einseitig – es ging und geht auch gerade darum Kosten (und Recherche kostet) einzusparen.
    Gerade Seiten wie bildblog.de zeigen ja, dass es mit dem vielzitierten Qualitätsjournalismus und freier Presse viel zu oft nicht weit her ist…

    naja, ich glaube im übrigen nicht, dass das geschäftsmodell per se veraltet ist. wenn man einem bäcker erzählt, er soll doch jetzt bitte mal die brötchen kostenlos herausgeben, dann ist dessen geschäftsmodell auch nicht per se erledigt.

    Falsch rum gedacht. Aktuell ist es – um im Bild zu bleiben – eben so, dass es Brotbackautomaten gibt und Menschen anfangen ihr Brot selbst zu backen. Und inzwischen ist es eben so, dass eine große Mehrheit lieber zu hause eigenes Brot backt, statt welches zu kaufen. Und die Bäcker (die Verwerter) fordern nun ein Verbot des Heimbackens, statt sich zu überlegen, ob es nicht andere Arten von Gebäck gibt, die nur sie liefern können und die den Leuten weiterhin Geld wert ist. Das Geschäftsmodell „Brot backen“ wurde hier durch den Fortschritt überholt – jeder kann selbst backen.

    und in diesem fall schützt den bäcker eben das gesetzt. ebenso den autor. im übrigen. warum soll es denn nicht möglich sein, auch für geistige arbeit im netz zu zahlen?

    Ist es doch, auch sog. „geistiges Eigentum“ wird online verkauft. Die Frage ist aber unter anderem auch, wo beginnt „geistiges Eigentum“?

    ich wehre mic ja nicht gegen eine verbreitung meiner inhalte – ich möchte nur für meine arbeit bezahlt werden. will das nicht jeder? eine flatrate wäre vielleicht eine möglichkeite, autoren werden – ähnlich wie mit den vg wort und vg bild – nach aufrufen bezahlt. könnte vielleicht ein modell sein, wenn denn die menschen das alle so sehen. wenn ich aber an die immer wieder aufkeimende gebühren-GEZ-debatte in der bevölkerung denke, dann habe ich starke zweifel, ob sich eine news-flatrate tatsächlich durchsetzen wird.

    Keine Newsflatrate, sondern eine Kulturflatrate, eben analog zu den Abgaben auf Leermedien eben Abgaben auf Internetzugänge. Wird sicher nicht allen gefallen, aber es gibt vieles, was nicht jedem gefällt, aber trotzdem gemacht wird… Niemand hat im Moment ein Patentrezept, aber immer nur auf das „böse Internet“ und die „bösen Raubmordkopierer“ zu schimpfen und immer neue Gesetze zu verlangen hilft nicht dabei.
    Und die GEZ ist ein anderes Thema, ein ganz anderes… das hat nichts mit der Entlohnung der Urheber zu tun, sondern mit der Frage, was wird mit dem Geld angestellt. Und ich hätte ganz ehrlich deutlich weniger Bauchschmerzen bei dem Geld, das ich da zahle, wenn die Leistung, die dafür zurück kommt auch entsprechend wäre. Aber wie gesagt: anderes Thema.

    also, ich glaube, das entspricht nicht ganz den tatsachen: wo in deutschland oder im einflussbereich deutscher behörden server stehen, auf denen sich illegales material befindet, die können natürlich ohne weitere probleme jederzeit abgeschaltet werden – bereits jetzt schon und auch nach der verabschiedung des neuen gesetzets.

    Wenn es denn passieren würde, im Gegenteil: auf den Sperrlisten anderer Länder befanden sich auch Server in Deutschland! Und noch weiter, es ist auch vorgekommen, dass solche Server von den Behörden absichtlich im Netz gelassen wurden, um Konsumenten zu erwischen.

    es geht bei dem neuen gesetzt meines wissens nach vor allem um die server, die eben gerade NICHT ohne weiteres abgeschaltet werden können, weil man nicht herankommt. und dass man diese (zumindest bis man an die server herankommt) sperren sollte, finde ich absolut richtig und in ordnung.

    Und genau hier passt es nicht: Banken schaffen es internationale Phishing-Seiten innerhalb von 4 Stunden(!) abschalten zu lassen, aber das deutsche BKA schafft es nicht, Kinderporno-Server abschalten zu lassen? Da dauert es dann 2 oder 3 Monate oder länger? Und warum? Nun, weil das BKA bei Kinderpornografie die Souveränität anderer Staaten für wichtiger hält als die Abschaltung. Statt also eine Mail an den zuständigen Provider zu schreiben (was der AK Zensur erfolgreich getan hat), wird ein äußerst umständlicher Dienstweg eingeschlagen: erst mal Europol informieren, die schauen dann mal weiter und irgendwann kommt das dann im Zielland bei der zuständigen Polizeibehörde an…
    Und jetzt sage mir bitte, was ich davon halten soll, dass offenbar Geld wichtiger sein muss als Kinder? Oder wie sonst erklärst Du mir, dass die Abschaltung bei Seiten, die den Leuten an den Geldbeutel wollen so schnell geht und bei Kinderpornos so lange dauert?

    worüber man in der tat reden kann, sind die hürden, die erforderlich sind, um eine solche sperrung durchzuführen: richterlicher beschluss wäre da meiner meinung nach schon angebracht, die gerichte müssten dann aber auch eine entsprechende personelle institution dafür schaffen. grundsätzlich halte ich aber die sperrung von kriminellen seiten bzw. seiten mit kriminellem inhalt, an die man anders nicht herankommen kann, für richtig. alles andere, was du aufführst – dass sperren nicht heißt, dass gegen die kinderpornografie vorgegangen wird, sondern eben nur gegen die verbreitung, dass kinder vor allem im eigenen häuslichen bereich missbraucht werden etc. ist richtig, wurde aber von mir nie bestritten. meines wissens nach bedeutet aber das neue “sperr”-gesetz nicht, dass die strafverfolgungsbehörden alle sonstige arbeit einstellen. ich sehe also zumindest keine verschlechterung, eher die möglichkeit, den konsumenten in deutschland den zugriff zu erschweren. und ehrlich: das finde ich ganz gut.

    Wie passt es zusammen, dass Du einerseits den Wert der freien Presse so hoch schätzt, aber andererseits Zensurmaßnahmen gut heisst? Für mich ist das ein nicht aufzulösender Widerspruch, ich bin der festen Überzeugung, dass es einen freie Presse, eine freie Berichterstattung und freie Meinungsäußerung nur ohne Zensur geben kann. Und egal, was als Grund vorgeschoben wird: dieses Gesetz bildet die Grundlage für eine Zensurinfrastruktur und eine Zensurbehörde beim BKA. Nichts anderes.
    Von den Kollateralschäden der Sperrmassnahmen mal ganz abgesehen, denn es ist ja mitnichten so, dass sich so ein Kinderporno-Verbreiter irgendwo einen Server und eine Domain holt und dann dort das Material verteilt, im Gegenteil, die nutzen z.B. gehackte Server um dort die Dateien abzulegen. Und der eigentliche Seitenbetreiber ahnt davon meistens gar nichts, landet aber plötzlich auf Sperrlisten, weil man beim BKA dachte, es würde ja eh nichts bringen zu versuchen das Material dort zu löschen.

    also, nichts für ungut – von grundsatz her bezweifel ich nicht, dass die motive der pp integer sind, ich finde nur, dass vor allem die unkommentierte und schnelle aufnahme von tauss zusammen mit der meiner meinung nach sehr selektiven, einseitigen und faktisch falschen argumentation, dass die sperrung die sonstigen anstrengugen der strafverfolgungsbehörden der kinderpornografie ablöst, dem ganzen einen faden beigeschmack gibt.

    Bis zum Beweis des Gegenteils ist man in diesem Land noch unschuldig und ob er nun verurteilt werden wird oder nicht, Fakt ist, dass Tauss einer der fähigsten und erfahrensten Politiker dieses Landes ist, wenn es um das Internet geht – dass das bei vielen für Freude sorgt, wenn er als dieser Politiker (nicht als Beschuldigter in einem Verfahren) in die PP eintritt kann ich nachvollziehen. Übertrieben sind die Freudenrufe sicher oft, aber im Vergleich zu den Übertreibungen (und Lügen) einer Frau von der Leyen ist das okay.
    Und ob die Strafverfolgungsbehörden sich weiter anstrengen oder nicht ist unerheblich: durch die Sperren werden Ermittlungen behindert! Wie sollen sie gegen einen Anbieter von KiPo ermitteln, wenn sie den Server zuerst sperren müssen? Sobald der Server gesperrt ist, weiss der Anbieter davon (es ist überhaupt kein Problem ständig automatisiert das Ergebnis einer DNS-Abfrage bei verschiedenen Servern in verschiedenen Ländern auszuwerten) – und was macht ein Krimineller, der erfährt, dass man ihm auf der Spur ist? Eben: seine Spuren verwischen und schauen, dass er Land gewinnt. Katz und Maus mit Ansage durch die Katze… Dieses Gesetz behindert die Ermittlungen und die Strafverfolgung der Täter und – ich wiederhole mich – hilft keinem Kind! Den Kindern helfen würden ganz andere Massnahmen, wirklich präventive Massnahmen, die aber Geld kosten für Mitarbeiter bei Jugendämtern, Schulen und Kindergärten, Weiterbildungen, die helfen Anzeichen für Missbrauch in der Familie zu erkennen usw. – aber Geld ist ja keins da. Beim Thema Recherche: an welchen Stellen wurde von der Politik, der ja Sicherheit vor Kriminalität so wichtig ist, denn in den letzten Jahren gespart? Ja, unter anderem auch bei der Polizei. Da musst doch auch Du einen Widerspruch sehen?

  5. simplizissimus sagt:

    @carsten – das könnte jetzt länger werden, leider habe ich momentan nicht ganz die zeit dazu. ich versuchen, zumindest auf ein paar punkte einzugehen, den rest, wenn ich mehr luft habe.

    sauber recherchierte inhalte: es gibt keinen garant für saubere inhalte – aber die wahrscheinlichkeit, auf solche zu treffen, erhöht sich, wenn professionell ausgebildete journalisten am werk sind. dieser überzeugung bin ich und hier vertraue ich auch auf institutionen wie den presserat oder die fachverbände wie djv und journalistenunion in verdi etc. saubere inhalte finde ich allerdings meist NICHT beim bildeitungs-leserreporter. und leider auch nicht beim wochenend-blogger. oder beim schnellschuss-twitterer – sonst wäre es zu so zuständen wie bei dem amoklauf von winnenden nie gekommen, wo die bildzeitung, einige blogger und die twittergemeinde zusammen gegen mehr als eine handvoll presseethischer grundsätze verstoßen haben.

    brötchen: es geht nicht darum, dass jeder jetzt sein eigenes brot backen will – wenn du deine eigene musik machst oder deine eigene texte schreibst, kannst du gerne alle nutzungsrechte freigeben und diese ins netz stellen. es geht darum, dass andere hingehen und die von mir gebackenen brötchen nehmen, unerlaubt weiterverbreiten bzw. verarbeiten und ich am ende kein geld mehr habe, um mir mehl und eier leisten zu können, um einen neuen teig für neue brötchen anzumachen. die folge: ich schließe meine bäckerei und werde metzger (naja, im übertragenen sinne eben). so profitiert am ende keiner davon. sorry, aber freigabe des urheberrechtes wäre schlicht diebstahl – und mir klaut keiner ungestraft geld aus der brieftasche, also warum dann im netz? das hat dann auch nichts mehr mit anderer urheberrechtsauffassung zu tun. wie gesagt, eine flat ist vielleicht eine möglichkeit – allerings sehe ich da ettliche organisatorische probleme. wie sollen beispielsweise autoren, die professionell schreiben, entlohnt werden? wer treibt die flatrate ein? wer verwaltet die mittel, die hier zusammenkommen? der staat? dann würde die pressefreiheit eingeschränkt, da dann der staat über den umweg der finanzierung bestimmt, nach welchen kriterien wer journalist ist und mittel beziehen darf. hier muss man also noch viele details klären. denkbar wäre die verwaltung über die fachverbände, aber auch hier dei frage: welche fachverbände zählen? und was passiert mit den journalisten, die nirgendwo organisiert sind? hier gäbe es dann probleme mit dem datenschutz.

    serversperrungen: ja, es kommt wohl vor, dass die behörden entdeckte seiten absichtlich im netz lassen, um konsumenten zu erwischen. schön ist das sicher nicht – für die opfer. aber auch bei anderen straftaten kennt man die möglichekit der verdeckten ermittlung und observation – kommt oft im bereich der ok vor (organisierte kriminalität) – und ist eine möglichkeit, auch an das ganze ok-umfeld – also auch mitwisser und konsumenten – heranzukommen. unschön, aber im einzelfall ein ermittlungsmittel, das ich nicht von vorne herein ausschließen möchte.

    vermeintlicher widerspruch bei zensurmaßnahmen und freier presse: das sehe ich als journalist nicht so – und halte das ganze gerede darum ehrlich gesagt für paranoid. mit vielen bestehenden gesetzen könnte der staat intensiv in bürgerrechte eingreifen – und trotzdem passiert es nicht, außer zu abwehrmaßnahmen gegen straftaten. im übrigen ist folgend aussage von dir für mich argumentativ nicht mehr nachzuvollziehen: „Wie passt es zusammen, dass Du einerseits den Wert der freien Presse so hoch schätzt, aber andererseits Zensurmaßnahmen gut heisst? Für mich ist das ein nicht aufzulösender Widerspruch, ich bin der festen Überzeugung, dass es einen freie Presse, eine freie Berichterstattung und freie Meinungsäußerung nur ohne Zensur geben kann. Und egal, was als Grund vorgeschoben wird: dieses Gesetz bildet die Grundlage für eine Zensurinfrastruktur und eine Zensurbehörde beim BKA.“

    bitte? wo wird hier durch das neue gesetz die presse zensiert? findet die pressezensur nicht vielmehr durch diejenigen statt, die die möglichkeit, mit journalismus seinen lebensunterhalt verdienen zu können, durch abstruse urheberrechtsauffassungen kaputt machen? ich sehe nicht, dass die presse durch den staat zensiert wird – ich kann mich völlig frei im internet informieren, solange ich keine straftaten begehe. und das ist bei jedem beruf so, nicht nur beim journalisten. es gibt übrigens auch hier die möglichkeit, in der betreffenden szene zu recherchieren, wenn man dabei bestimmte maßnahmen beachtet, um sich abzusichern. aber nochmal: viele kollegen regen sich weniger über die so genannte „kinerpornosperre“ auf als über die andauernde verletzungen der urheberrechtes durch illegale zweit- und drittverwertung. denn das ist für den berufsstand journalist wirklich existenziell berohlich. und ohne journalisten gibt es eben keine freie presse.

    behinderung der ermittlungsbehörden durch die sperrungen: ja, klar, sicher – die ermittlungsbehörden bitten selbst um die zusätzliche möglichkeit der sperrungen, verwalten auch die sperrlisten und werden dann durch ebendiese zusätzliche möglichkeiten in ihrere arbeit behindert. du merkst aber schon, dass du hier nicht in deiner eigenen argumentation bleibst? ich hatte real das „vergnügen“, die entstehung der angesprochenen zensur-gesetze live und in farbe bei mehreren gelegenheiten mitzubekommen. deshalb: sei bitte nicht naiv, die ermittlungsbehörden sind selbst mit-initiator und nicht opfer der sperrungwünsche.

    tauss: dass die unschuldsvermutung auch für ihn gilt, habe ich nicht nur nie bestritten, sondern auch in vergangenen postings ausdrücklich erwähnt. ich habe mit meiner behauptung, er sei eine belastung, lediglich auf den pr-bereich abgezielt. und de facto ist er momentan auf der pr-ebene eine belastung für die pp. das ist jeder politiker, auf den in deutschland auch nur ein verdacht fällt. das ist unfair, aber es bleibt eine tatsache, die sich in deutschland wohl nicht so schnell ändert. stretegisch ist er für die pp deshalb meiner meinung nach momentan eher eine belastung als eine bereicherung.

    unabhängig davon: ich habe tauss nicht als genialen kenne insbesondere der neuen medien in erinnerung. meiner meinung nach waren die dinge, die er in letzter zeit eingefädelt hat – wie die öffentliche debatte um den zdf-chefredakteur brender – zwar ganz nett zu lesen, aber ohne tatsächliche wirkung. ich schätze tauss persönlich eher als ein politiker ein, der sich mit medien insgesamt ganzngut auskannte, ohne aber im netz besondere kenntnisse vorweisen zu können.schade, dass er jetzt – weil ihm in der spd die felle weggeschwommen sind – versucht, auf einen anderen zug aufzuspringen. was liegt da näher, in die partei zu gehen, in die momentan eine ganze anzahl junger parteimitglieder der spd wechseln? wenn du im netz schaust, dann findest du viele aus dem ex-juso oder ex-spd-bereich, die alle ihrer partei wegen der internet-sperre den rücken kehren.

    verstehe mich nicht falsch, damit habe ich inhaltlich überhaupt kein problem, eher im gegenteil. nur ist tauss deshalb noch lange nicht der geniale internet-kennern, als der er sich gerne selbst darstellt. sein fachgebiet waren meines wissens nach die medien allgemein und die „alten“ medien wie rundfunk etc. im besonderen – und nicht das internet. tauss war ja noch nicht einmal mitglied im unterausschuss neue medien des bundestages, in dem die medienpolitik der neuen medien tatsächlich vorbereitet und gemacht wird.

    also fazit: ich kann in deinen argumenten sehr viel wording der pp erkennen – das hast du gut verinnerlicht und bist darin sicher sehr fit. trotzdem stimmen deine behauptungen mit der realität, wie ich sie bisher erlebt habe (man könnte auch sagen: mit MEINER realität), nicht überein. mir ist absolut bewußt, dass auch meine realität eine zutiefst subjektive ist und mir ist wichtig, dass ich hier nicht angebe, in besitz der alleine seelig-machenden wahrheit zu sein. aber ich finde, dass es sich die pp – und diejenigen, die so argumentieren, wie die pp – zu einfach machen. nicht alles läßt sich mit einer verschwörungstheorien des big-brother-staates, der seine bürger verfolgt und ausspäht, abtun. das problem ist vielschichtiger…

    simplizissimus

  6. sauber recherchierte inhalte: es gibt keinen garant für saubere inhalte – aber die wahrscheinlichkeit, auf solche zu treffen, erhöht sich, wenn professionell ausgebildete journalisten am werk sind. dieser überzeugung bin ich und hier vertraue ich auch auf institutionen wie den presserat oder die fachverbände wie djv und journalistenunion in verdi etc. saubere inhalte find eich allerdings meist NICHT beim bilzeitungs-leserreporter. und leider auch nicht beim wochenend-blogger. oder beim schnellschuss-twitterer – sonst wäre es zu so zuständen wie bei dem amoklauf von winnenden nie gekommen, wo die bildzeitung, einige blogger und die twittergemeinde zusammen gegen mehr als eine handvoll presseethischer grundsätze verstoßen haben.

    Tjo, nur sind private Blogger und Twitterer keine Journalisten – ein Unterschied, der gerade Journalisten doch immer so wichtig ist, also warum sollten die sich an journalistische Grundsätze gebunden fühlen? Nicht, dass ich diese Grundsätze schlecht finde, aber was nun? Entweder sind sie eine Art Journalisten und diese Grundsätze müssen für sie gelten oder sie sind eben keine, dann darf man von ihnen aber auch nicht die Einhaltung von Grundsätzen einfordern, die für sie ja nicht gelten… Ein ganz anderes Thema und um zurück zum eigentlichen Thema zu kommen: ich sehe bei kommerziellem wie auch öffentlich-rechtlichem Journalismus auch keine automatische Garantie für Freiheit, saubere Recherche oder Neutralität bei der Berichterstattung.

    brötchen: es geht nicht darum, dass jeder jetzt sein eigenes brot backen will – wenn du deine eigene musik machst, kannst du gerne alle nutzungsrechte freigeben und diese ins netz stellen. es geht darum, dass andere hingehen und die von mir gebackenen brötchen nehmen, unerlaubt weiterverbreiten und ich am ende kein geld mehr habe, um mir mehl und eier leisten zu können, um einen neuen teig für neue brötchen anzumachen. so profitiert am ende keiner davon. sorry, aber das ist schlicht diebstahl – und diebstahl gehört bestraft.

    Es ging um Geschäftsmodelle grundsätzlich. Alleine schon deswegen passt der Vergleich von „geistigem Eigentum“ mit Brötchen nicht. Was auch nicht passt: materielle Güter kann man stehlen – immaterielle Güter kann man nicht stehlen, sondern nur vervielfältigen. Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied. Noch mal: es geht um Geschäftsmodelle grundsätzlich, nicht um einen Vergleich materieller mit immateriellen Gütern, der hinkt nämlich immer auf beiden Beinen.

    das hat dann auch nichts mehr mit anderer urheberrechtsauffassung zu tun. wie gesagt, eine flat ist vielleicht eine möglichkeit – alerings sehe ich da ettlioche organisatorische probleme. wie sollen beispielsweise autoren, die professionell schreiben, entlohnt werden? wer treibt die flatrate ein? wer verwaltet die mittel, die hier zusammenkommen? der staat? dann würde dkie pressefreiheit eingeschränkt, da dann der statt bestimmt, nach welchen kriterien wer journalist ist und mittel beziehen darf. hier muss man also noch viele details klären. denkbar wäre die verwaltung über die fachverbände.

    Warum würde die Pressefreiheit eingeschränkt? Und warum immer nur Journalisten? Hey, bei Fotokopierern klappt es, bei Druckern, bei MP3-Playern usw. usw. – wurde dadurch bisher die Pressefreiheit eingeschränkt?

    serversperrungen: ja, es kommt wohl vor, dass die behörden entdeckte seiten absichtlich im netz lassen, um konsumenten zu erwischen. schön ist das sicher nicht. aber auch bei anderen straftaten kennt man die möglichekit der verdeckten ermittlung und observation – kommt oft im bereich der ok vor (organisierte kriminalität) – und ist eine möglichkeit, auch an das ganze umfeld heranzukommen. unschön, aber im einzelfall ein ermittliungsmittel.

    Aha, da geht es also, Server über mehrere Wochen oder Monate am Netz zu lassen, um ein paar Konsumenten zu erwischen – aber eine Mail an einen Provider im Ausland zu schreiben, damit dort Kinderpornos verschwinden geht nicht? Was ist nun das Ziel? Konsumenten strafrechtlich zu verfolgen oder das Angebot aus dem Netz zu bekommen? Eine der wichtigsten Argumente für das Zensurgesetz war immer, dass man den Zugriff auf das Material so schnell wie möglich unterbinden müsste und das wäre wichtiger als die Verfolgung einzelner Konsumenten – ja was nun?

    vermeintlicher widerspruch bei zensurmaßnahmen und freier presse: das sehe ich als journalist nicht so – und halte das ganze gerede darum ehrlich gesagt für paranoid. mit vielen bestehenden gesetzen könnte der staat intensiv in bürgerrechte eingreifen – und trotzdem passiert es nicht, außer zu abwehrmaßnahmen gegen straftaten.

    Und nur, weil es bisher vielleicht nicht ausgenutzt wurde ist das ein Grund immer weitere und weiter gehende Instrumente für Bürgerrechtseingriffe zu schaffen, ohne mal die Wirksamkeit und Notwendigkeit der bestehenden Instrumente zu prüfen?

    im übrigen ist folgend euassage von dir für mich argumentativ nicht mehr nachzuvollziehen: “Wie passt es zusammen, dass Du einerseits den Wert der freien Presse so hoch schätzt, aber andererseits Zensurmaßnahmen gut heisst? Für mich ist das ein nicht aufzulösender Widerspruch, ich bin der festen Überzeugung, dass es einen freie Presse, eine freie Berichterstattung und freie Meinungsäußerung nur ohne Zensur geben kann. Und egal, was als Grund vorgeschoben wird: dieses Gesetz bildet die Grundlage für eine Zensurinfrastruktur und eine Zensurbehörde beim BKA.” bitte?

    Ist doch ganz einfach: Zensur ist der Tod der freien Presse. Immer.

    wo wird hier durch das neue gesetz die presse zensiert?

    Wer weiss das so genau? Die Zensurlisten sind ja geheim…

    findet die pressezensur nicht vielmehr durch diejenigen statt, die die möglichkeit, mit journalismus seinen lebensunterhalt verdienen zu können, durch abstruse urheberrechtsauffassungen kaputt machen?

    Nein. Es geht darum das Urheberrecht zu modernisieren, nicht irgendjemanden zu enteignen oder gar Berufsverbote auszusprechen. Aber es ist halt leider eine typische Reflexhandlung: huch, was neues – pfui.

    ich sehe nicht, dass die presse durch den staat zensiert wird – ich kann mich völlig frei im internet informieren, solange ich keine straftaten begehe. und das ist bei jedem beruf so, nicht nur beim journalisten.

    Du siehst keine Zensur – aber Fakt ist nun mal, dass durch dieses Gesetz eine Infrastruktur geschaffen wird, die jederzeit Zensur ermöglicht. Auch der Presse. Das ist keine Interpretationsfrage, das ist so – das geben ja selbst die Befürworter des Gesetzes zu: man wisse ja nicht, was zukünftige Regierungen mit der Infrastruktur noch alles anstellt.

    es gibt übrigens auch hier die möglichkeit, in der betreffenden szene zu recherchieren, wenn man dabei bestimmte maßnahmen beachtet, um sich abzusichern. aber nochmal: viele kollegen regen sich weniger über die so genannte “kinerpornosperre” auf als über die andauernde verletzungen der urheberrechtes. denn das ist für den berufsstand journalist wirklich existenziell berohlich. und ohne journalisten gibt es eben keine freie presse.

    Mal ganz provokant gefragt: vielleicht hat ja auch eine Mehrheit der Menschen keinen Bedarf mehr für eine freie Presse in der bisherigen Form? Ob das nun objektiv gut oder schlecht sein mag ist dabei völlig egal. Du siehst den Bedarf, ich sehe durchaus auch Bedarf – aber wenn es die Mehrheit nicht so sieht, dann ist das nun mal so und in einer Marktwirtschaft ist es eben so, dass man für sein Produkt auch Käufer finden muss. Keine Käufer -> kein Markt.

    behinderung der ermittlungsbehörden durch die sperrungen: ja, klar, sicher – die ermittlungsbehörden bitten selbst um die zusätzliche möglichkeit der sperrungen, verwalten auch die sperrlisten und werden dann durch ebendiese zusätzliche möglichkeiten in ihrere arbeit behindert. sag mal, merkst du eigentlich, was für einne quatsch du hier von dir gibst? nur weil das dem beinahe exakten wording der presseverlautabrungen der pp entspricht (wie auch diene geschäftsmodell-ideen beim urheberrecht) ist es deshalb noch lange nicht wahr. ich war mittlerweile bei einigen gesetzen wie dem telekommunikationsüberwachungsgesetz live und real und persönlich im reichstagsgebäude bei ausschussitzungen und ak-sitzungen und auf der fraktionsebene etc. anwesend und habe auch in vielen einzelgesprächen mit abgeordneten mitbekommen, wie die gesetze tatsächlich entstanden sind. deshalb: sei bitte nicht naiv, die ermittlungsbehörden sind selbst mit initiator und nicht opfer der sperrung.

    Ich bin nicht naiv, ich kenne nur leider die Technik zu gut. Noch mal: in dem Moment, in dem ein Server auf einer Sperrliste steht weiss es auch der Serverbetreiber – gerade wenn es sich um einen Anbieter illegaler Inhalte handelt, wird er sehr genau auf solche Sperrungen achten. Und wenn er weiss, dass man ihm au den Fersen ist, dann wird er Geld geben, Fersengeld. Du magst es Quatsch nennen, ich nenne es Realität. Und weiss jemand, ob es nicht ganz gut passt? Hey, die Polizeibehörden bekommen immer mehr Aufgaben, dafür aber weniger Geld und Leute, warum also nicht ein Gesetz befürworten, dass den Aufwand reduziert? Gesperrt -> Server weg -> Ermittlungen zu den Akten. Und fertig. Keine Ahnung, ob es so ist oder nicht – aber ich schließe nichts aus.

    unabhängig davon: ich habe tauss nicht als genialen kenne rder neuen medien in erinnerung – meiner meinung nach waren die dinge, die er in letzter zeit eingefädelt hat – wie die öffentliche debatte um den zdf-chefredakteur brender – zwar ganz nett zu lesen, aber ohne tatsächliche wirkung. ich kenne tauss persönlich eher als ein politiker, der den alten medien aufgeschlossen gegenüberstand und der sich im netz nicht wirklich auskennt und jetzt – weil ihm in der spd die felle weggeschwommen sind – versucht, auf einen anderen zug aufzuspringen.

    Du kennst das Sprichwort vom Einäugigen unter den Blinden? Niemand hat behauptet, dass Tauss ein technisches Genie wäre, aber im Vergleich zu seinen Kollegen im Bundestag… eben wie ich geschrieben habe: „Fakt ist, dass Tauss einer der fähigsten und erfahrensten Politiker dieses Landes ist, wenn es um das Internet geht“.

    also fazit: ich kann in deinen argumenten sehr viel wording der pp erkennen – das hast du gut verinnerlicht und bist darin sicher sehr fit.

    Es mag sein, dass Dich das überrascht oder dass Du das ganz anders siehst, aber ich habe mir nichts von der Piratenpartei verinnerlicht. Eher im Gegenteil: mit der Piratenpartei ist endlich eine Partei da, die zumindest in Fragen der „neuen“ Medien (wie lange ist das Internet eigentlich noch „neu“? Ein Auto ist ja spätestens nach einem Jahr auch nicht mehr „neu“, oder?), Bürgerrechte und Reform des Urheberrechts ziemlich nahe an meinen Vorstellungen ist. Wie es sich bei anderen Bereichen entwickelt wird sich zeigen…

    trotzdem stimmen deine behauptungen leider mit der realität, wie ich sie bisher erlebt habe (man könnte auch sagen: mit MEINER realität), nicht überein. mir ist absolut bewußt, dass auch meine realität eine zutiefst subjektive ist und mir ist wichtig, dass ich hier nicht angebe, in besitz der alleine seelig-machenden wahrheit zu sein. aber ich finde, dass es sich die pp – und diejenigen, die so argumentieren, wie die pp – zu einfach machen. nicht alles läßt sich mit einer verschwörungstheorien des big-brother-staates, der seine bürger verfolgt und ausspäht, abtun.

    Verschwörungstheorien? Wo denn? Ist es eine Verschwörungstheorie, dass mit dem Gesetz eine Zensurinfrastruktur geschaffen wird? Nein, eine Tatsache. Ist es eine Verschwörungstheorie, dass so eine Infrastruktur auch für beliebige andere Inhalte verwendet werden kann? Nein, eine Tatsache. Ist es eine Verschwörungstheorie, dass sich die Welt in den letzten Jahren gerade auch durch die Verbreitung des Internets massiv verändert hat? Nein, eine Tatsache.

    Heute haben wir wohl keinen Big-Brother-Staat, aber es werden immer neue Gesetze beschlossen, die es dem Staat erlauben sich in diese Richtung zu entwickeln und so einen Staat aufzubauen, alleine die VDS hat das Zeug dazu zumindest über die Handybesitzer in diesem Land Bewegungsprofile zu erstellen und die Erfahrung zeigt: wenn Daten mal vorhanden sind, dann werden sie auch verwendet.

    Es ist eine Frage der persönlichen Einstellung – Du gehörst wohl zu denen, die jemandem (dem Staat) eine geladene Waffe in die Hand drücken und darauf vertrauen, dass diese nicht (gegen Dich selbst) verwendet wird, schließlich sagt Dein Gegenüber Dir, dass er sie nicht verwenden will. Ich gehöre zu denen, die in so einem Fall erst mal fragen, wozu denn die Waffe nötig wäre, wenn sie sowieso nicht verwendet werden soll? In diesem Fall sind die Waffen eben VDS, Zensurinfrastruktur, biometrische Daten in Ausweisen usw. – das Missbrauchspotential solcher Gesetze und Maßnahmen wirst Du auch in Deiner Realität nicht ernsthaft bestreiten, oder? Und ganz ehrlich, kannst Du es tatsächlich nicht verstehen, dass man nicht dazu neigt Politikern zu vertrauen, die auch schon offensichtlich verfassungswidrige Gesetze verabschiedet haben und regelmäßig vom Bundesverfassungsgericht zurück gepfiffen werden müssen? Politiker, die sich über das Bundesverfassungsgericht beschweren, weil die Richter ihren Job machen?

    Du kannst es nicht tatsächlich nachvollziehen, dass man Schwierigkeiten damit hat, solchen Menschen zu vertrauen?

  7. […] finde ich die Diskussion bei Simplizissimus, die ihren Anfang bei Kamikaze Demokratie genommen hat, bis jetzt ziemlich spannend. Sollte ich […]

  8. simplizissimus sagt:

    hallo, ich hänge arbeitsmäßig doch noch intensiver fest, als ich vorab (gestern nacht) dachte. ich melde mich deshalb wahrscheinlich erst heute abend mit einem neuen post. viele grüße

    simplizissimus

  9. simplizissimus sagt:

    sooo, der neue beitrag ist fertig – handelt allerdings ausschließlich vom urheberrecht. zur internetsperre komme ich zu einem späteren zeitpunkt

    https://simplizissimus.wordpress.com/2009/06/24/irrtumer-der-urheberrechtsreform-der-piraten/

    simplizissimus

  10. Marlit Seel sagt:

    Klasse, dass das hier mal in der Form besprochen wird. Mit Sicherheit wichtig, an dem Thema solltet Ihr dranbleiben. Ich glaube, dass ich vor ein paar Tagen in einem ähnlichen Blog etwas ähnliches gelesen habe.

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