Mediale Kompetenz der Piraten

zweiter kommentar zu „die piratenpartei und phoenix

inhaltlich hatte ich mich schon bei dirk hillbrechts review geäußert, jetzt aber noch etwas zur phoenix-sendung selbst:

vorweg: politik in den medien heißt auch, sehr komplexe sachverhalte so sinnvoll und verständlich komprimiert rüberbringen, dass man diese in 5 minuten verstehen kann, ohne dass der zuschauer gelangweilt abschaltet. 45 minuten wie bei phoenix sind eine unmenge zeit, die es in anderen sendungen nicht gibt (oder die dann unter mehr als zwei gästen aufzuteilen ist). das sind die medialen anforderungen – und entweder kann man da mithalten oder man gibt besser gleich auf.

solche „heiße-stuhl“ sendungen leben von der polarisation und auch davon, dass der moderator sich auf gäste einschießt. macht er das nicht, herrschen 45 minuten langeweile. beste beispiele: plasberg oder friedmann – der gast wird provoziert, mitten im satz unterbrochen, man versucht, den eigenen gedankengang in den vordergrund zu stellen und den den gastes „unterzubuttern“.

dass der moderator bei der ersten fernsehsendung überhaupt, bei der sich die piratenpartei in deutschland präsentieren durfte – auch dass sollte man dabei nicht außer acht lassen, außer phoenix hat da noch keiner angefragt – natürlich auf diese neue partei und deren ziele und personal einschießt, war abzusehen – auch das konnte man erwarten. hätte minhoff das nicht gemacht, wäre ich persönlich enttäuscht gewesen, macht er nämlich bei allen anderen auch. dafür ist er eben als pitbull bekannt. friedmann und auch plasberg finde ich persönlich viel schlimmer.

allerdings war dirk hillbrecht, der vorsitzende der piratenpartei, als gegner rhetorisch auch extrem naiv und unbedarft:

wenn einem der moderator ins wort fällt, sollte man nach dem dritten mal klarstellen, dass man gerne ausreden möchte – das hat gefehlt.

wenn man seine gedanken falsch wiedergegeben sieht, dass muss man diese korrigieren, ununterbrochen, und klarstellen, dass einem hier das wort im mund herum gedreht wird. auch das hat gefehlt.

wenn man auf so jemanden wie tauss angesprochen wird, naja, mmmh, dann wird es eben haarig, das hätte man vorher wissen können und müssen. unschuldvermutung hin oder her, das alles wird das gerichtsverfahren zeigen. aus sicht der pp ist es m.a. viel wichtiger, die mediale komponente dabei zu bedenken: es gibt (unabhängig vom inhalt) sicher gründe, warum seine ursprungspartei froh war, als tauss ausgetreten ist – und die gründe liegen wohl auch in der medialen wirkung für die partei.

aus sicht der pp hätte ich es für klüger gehalten, er wäre nicht in die pp aufgenommen worden: DIE PIRATEN ENTERN KEINE ABGEORDNETENMANDATE – SIE HOFFEN, BEI DEN BUNDESTAGWAHLEN SELBST WELCHE ZU ERRINGEN – das wäre die richtige news im internet gewesen. jetzt redet jeder nur noch darüber, dass ein mdb, gegen den die staatsanwaltschaft ermittelt, bei der partei unterschlupf gefunden hat, die gegen die kinderpornografie-internet-sperre ist. unschuldsvermutung hin oder her, eine inhaltliche diskussion findet da mit sicherheit nicht mehr statt, da geht es nur um platitüden.

mann, pr-mäßig ist das ein supergau, schlimmer gehts nimmer.

fazit: die sendung war einserseits packend, weil man in der tat nach 20 minuten am liebsten die wand hochgegangen wäre, weil einfach die wichtigen und richtigen antworten seitens der pp nicht kamen, man aber trotzdem nicht abschalten konnte, man hat mitgefiebert, die sendung hat also „gefesselt“.

andererseits war der vertreter der pp in der tat mehr als schwach, rhetorisch ungeübt, inhaltlich absolut nicht vorbereitet (was man aber meiner meinung nach nicht phoenix anlasten kann).

fazit: die partei braucht einen sprecher, der ebendiese benötigten rhetorischen fähigkeiten mitbringt und in der lage ist, die politischen ziele an den mann zu bringen. ODER ABER dirk muss intensiv an sich arbeiten.

allerdings: nach gestern abend wissen einige menschen mehr, dass es die pp gibt. immerhin, auch negativwerbung ist werbung…

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